Vier Nutzungskonzepte für das Viktoriakarree in der Analyse:

Ende August sind die Nutzungskonzepte der vier Architekturbüros für das Bonner Viktoriakarree vorgestellt worden. Der Verein City-Marketing Bonn, der Bonner Einzelhandelsverband und die IHK Bonn/Rhein-Sieg haben sich die Vorschläge angeschaut und auf ihre Tauglichkeit überprüft. BONNDIREKT stellt die Pros und Kontras zu den einzelnen Vorschlägen gegenüber.

Neuer Wohnraum für Studenten

Die skt umbaukultur Architekten befürworten die Idee, im Viktoriaviertel Wohnungen für Studierende zu bauen. Das sei sehr zu begrüßen und sorge für Belebung und mehr Urbanität im Viertel. Das gleiche gilt für den Vorschlag, eine neue Tiefgarage unter dem Viktoriakarree anzulegen. Diese Infrastrukturmaßnahme verbessere zusammen mit anderen geeignete Maßnahmen die Attraktivität der Innenstadt. Ebenfalls begrüßt wird das mögliche Ziel, Straßen rund um das Viktoriakarree, wie die Rathausgasse und Franziskanerstraße zur Fußgängerzone zu machen. Das entspreche der Logik, insgesamt die Fußgängerzone in der Innenstadt zu vergrößern und auch Richtung Rhein zu verlängern, um ihn „näher an die Stadt zu bringen“ Eine prominente Markthalle im Zentrum des Karrees zu errichten, wird bei den Wirtschaftsexperten dagegen kritisch gesehen. Eine solche Markthalle würde unmittelbar mit dem Marktplatz konkurrieren, so dass sich die beiden Standorte gegenseitig kannibalisieren. Auch die losgelöste Architektur des Vorschlags kommt weniger gut an. Dadurch werde die kleinteilige Struktur vor Ort aufgelöst und der vorhandene städtische Raum im Zentrum Bonns zerstört.

Neuer Mix mit schlechtem Zugang

Die Molestina Architekten wollen eine Neubelebung des Viertels erreichen. Und zwar durch einen Mix aus Gastronomie, Einkaufen, Wohnen und Bestandssanierung. Dieser Vorschlag wird von dem Verein City-Marketing Bonn, dem Einzelhandelsverband und der IHK als begrüßenswert erachtet. Dafür bewerten sie den geplanten Zugang zum Innenbereich als unattraktiv, da er zu versteckt ist. Außerdem sehen sie in diesem Vorschlag keine Möglichkeit zur Schaffung eines Handelsmagneten zur Herstellung oder Erhaltung des Gleichgewichts der Handelsbereiche innerhalb der Stadt Bonn. Denn das Gegengewicht zu den neuen großen Handelsobjekten am Bahnhof und Friedensplatz fehle. Hinzu kommt, dass ein kleinteiliger Handel im Blockinnern nur wenig Überlebenschancen gegeben werden, ohne einen fehlenden Magneten.

Ansiedlung von Start-Ups

Das Büro KCAP Architects & Planners Vorschlag steht unter dem Motto „Mehr als Wohnen und Arbeiten“. Es will in dem Viktoriakarree Start-ups und Co-Working Möglichkeiten integrieren und sieht auch einen kollektiven Dachgarten vor. Ziel ist es eine bunte Mischung aus Gastronomie, Gewerbe, Einzelhandel und Wohnen ins Leben zu rufen. Dieser Ansatz kommt bei der IHK, dem Einzelhandelsverband und City Marketing gut an. Als weniger begrüßenswert wird der Vorschlag bewertet, neue kleinteilige Handelsflächen zu schaffen. Von denen gebe es in Bonn bereits genug und ein kleinteiliger Handel im Blockinnern sei auf Dauer nicht überlebensfähig. Auch der Bau von vielen neuen Innenhöfen wird negativ gesehen, da diese im Verhältnis zu den entstehenden kleinen Handelsflächen unwirtschaftlich seien. Außerdem würden sie ein enges und dunkles Ambiente erzeugen. Auch bei diesem Konzept von KCAP Architects & Planners vermissen die Wirtschaftsverbände das Gegengewicht zu den neuen großen Handelsobjekten am Bahnhof und Friedensplatz.

Mitmachhaus als Mittelpunkt

In dem Konzept des Büros scheuvens + wachten plus befürworten die IHK, der Einzelhandelsverband und City Marketing den Vorschlag im Obergeschoss des Karrees neue Wohnungen zu bauen. Ein neues Kleinkaufhaus sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überlebensfähig, weil ein zu kleines Angebot keine zusätzlichen Kunden in dieses Format bewegen würde. Da sei die Konkurrenz durch die beiden bestehenden Kaufhäuser Kaufhof und Karstadt zu groß. Viele Fragen gibt es noch bei dem geplanten Mitmach-Haus: Wer soll das betreiben und mieten? Und wer soll für die Errichtungskosten aufkommen? Wahrscheinlich sei hier die Stadt gefordert, die aber versucht gerade die Fläche zu verkaufen, um Erlöse für den angespannten Haushalt zu genieren. In dem Fall würden keine Erlöse für die Stadt, sondern wiederum hohe Kosten auf sie zukommen. Das Gleiche gelte für die vorgesehene Verlagerung des Stadtmuseums in das ehemalige Viktoria Bad. Das erzeuge ebenso keine Erlöse, jedoch hohe Umbau- und Instandhaltungskosten
Die Meinungen zu den neuen Nutzungskonzepten gehen in der Stadt wieder mal weit auseinander. Es wird deshalb umso spannender, wie die Vorschläge bei der Expertenkommission ankommen und zu einem Nutzungskonzept komprimiert werden.

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