Verkaufsoffener Sonntag: Unverständnis für Verdi Klage

Immer wieder klagt die Gewerkschaft Verdi gegen die Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen. Jetzt hat sie in Bonn zugeschlagen. Beim Verwaltungsgericht Köln beantragt die Gewerkschafteine eine Prüfung, ob die Geschäfte sonntags beim Bonn-Fest nicht geöffnet haben dürfen.

Beim Bonner Einzelhandel kommt dieser Schritt nicht gut an. Der Sonntag sei völlig zu Recht ein hoch geschützter Tag. Und trotzdem, verkaufsoffene Sonntage seien wichtig für die Attraktivität einer lebendigen Innenstadt, gerade in Zeiten der stark zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel. Karina Kröber vom Verein City-Marketing fühlt sich durch die Klage vor den Kopf gestoßen. „Wir können die Klage nicht nachvollziehen. Wir haben uns in unserer Antragstellung an alle Auflagen gehalten“, sagt sie. Dabei sei alles gut mit der Verwaltung der Stadt abgestimmt gewesen.

Sie sehe auch ein, dass Sonntage geschützte Tage sind. Die derzeitige Regelung für Bonn sieht im Jahr drei verkaufsfreie Sonntage im Jahr für die City vor. „Das ist gut so. Es sind nicht zu viele und nicht zu wenige“, so Kröber. Damit bleibe man unter den gesetzlichen Möglichkeiten.

Ähnlich sieht das Monsignore Wilfried Schumacher, Stadtdechant in Bonn: „In Bonn haben wir in einer gemeinsamen Vereinbarung die Zahl der bisher gesetzlich möglichen Sonntagen mit Ladenöffnung unterschritten. Dazu stehen wir, denn wir sind verlässliche Vertragspartner. Wenn die Vereinbarung abläuft werden wir unter Berücksichtigung auch der höchstrichterlichen Entscheidungen gemeinsam sehen, ob es zu einer neuen Vereinbarung kommen wird.“

Auch die Stadtverwaltung Bonn sieht hier alles im grünen Bereich. Gegenüber Bonndirekt teilte sie mit, dass „die Verwaltung verkaufsoffene Sonntage grundsätzlich ermöglichen möchte“. Dabei orientiere sich sich an der landesgesetzlichen Regelung. „Dazu haben wir eine Konsensvereinbarung getroffen mit den Stadtmarketing-Vereinen, den Gewerbegemeinschaften, den Kirchen, den Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern“, erklärt Stefanie Zießnitz, Mitarbeiter des Presseamtes der Stadt.

Aber nicht jeder scheint mit dieser Regelung zufrieden. Wie zum Beispiel Dr. Michael Faber Vorsitzender der Linksfraktion im Rat der Bundesstadt Bonn. „Der Sonntag sollte für Familie und Erholung vorbehalten und soweit wie möglich von Kommerz und Arbeit frei sein. Abgesehen von Einrichtungen, bei denen Sonntagsarbeit unumgänglich ist, wie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, befürworte ich verkaufsoffene Sonntage daher nicht“, sagt Faber.

Hochwertiger Fachhandel statt Billigläden

Studie: Kunden wünschen ein besonderes Einkaufserlebnis

Es werden immer mehr. Wie Pilze schießen Billigläden wie Tedi, Action, Mäc Geiz oder Rusta in deutschen Innenstädten aus dem Boden. Auch in Bonn. Die Geschäfte sind schlicht und einfach eingerichtet. Und die Ware ist für den Kunden unübersichtlich sortiert. Sucht dieser einen bestimmten Artikel, findet er ihn meistens nicht. Dafür locken Mäc Geiz und Co mit regelmäßigen Sonderangeboten.

Dennoch scheint das Konzept derzeit bei den Kunden anzukommen. Denn die Branche boomt. Und die Billiganbieter geben sich selbstbewusst. Und zielbewusst suchen sie nach Räumlichkeiten in belebten Einkaufsstraßen. So erklärt zum Beispiel Mäc Geiz auf seiner Internetseite punktgenau, wo das Unternehmen Läden eröffnen will. Und zwar nur in Innenstädten und dort nur in „A- und guten B-Lage mit hoher Kundenfrequenz“. Voraussetzung ist außerdem, dass die Stadt mindestens 15 000 Einwohner hat.

Juweliere, Optiker oder Modeboutiquen wird die Aussicht nicht erfreuen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft Billigläden mit Wühltischen und Kitsch-Ständern einzieht. Trotz des Booms dieser Billigläden scheinen das die meisten Menschen in Deutschland auch so zu sehen. Das ergab eine Studie des globalen Performance Management Unternehmen Nielsen Holdings. Die Nielsen Global Survey wurde im Zeitraum vom 31. Oktober bis zum 18. November 2016 durchgeführt.

Demnach wollen die Verbraucher hochwertige Fachhändler in ihren Innenstädten sehen. Deutsche Verbraucher schätzen ein besonderes Einkaufserlebnis, so die Studie. 46 Prozent nehmen dafür den Gang in verschiedene Geschäfte in Kauf. Und genau das würde Innenstädte belebter und damit noch attraktiver machen. Exzellenter Kundenservice, ein besonderes Einkaufserlebnis und bestmögliche Qualität würden demnach zu den allgemeinen Erwartungen gehören, die Konsumenten an einen Fachhändler haben.

„Das oftmals ansprechendere Design sowie das Wohlfühlambiente beim Fachhändler wird von Verbrauchern generell als positiv empfunden”, so Fred Hogen, Director Retailer Services bei Nielsen in Deutschland. „Anziehungspunkt von Facheinzelhändlern ist häufig auch ihr spezialisiertes Produktangebot sowie ein besserer Kundenservice”, fasst Fred Hogen zusammen.

Fast jeder zweite sucht aufgrund eines nur dort zu erwerbenden Produkts einen Fachhändler auf. In Europa sind es sogar 52 Prozent. Hierzu gehören auch Produktneueinführungen die ebenfalls nur in spezialisierten Geschäften erhältlich sind. Der Kundenservice wird von Verbrauchern generell positiv wahrgenommen. Fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass Fachgeschäfte einen besseren Kundenservice bieten, europaweit sind es sogar 52 Prozent. Das lässt daran zweifeln, dass der Boom der Billigläden lange anhält. Denn das können Billigläden nicht bieten.

Keine Geisterstadt in der Bonner Stadtkern

Viele Innenstädte in Deutschland droht die Gefahr, zu Geisterstädten zu werden. Sei es in Bayern, Sachsen oder Norddeutschland. Überall beschweren sich Bürger, dass in den Zentren ihrer Städte am Abend und in der Nacht kaum noch Mensch auf der Straße anzutreffen ist. In Bonn sieht es nicht viel anders aus.

Der Grund dafür ist, dass in den meisten Städten kaum noch Menschen in den Innenstädten wohnen. Und wenn die Türen der Geschäfte zum Ladenschluss schließen, wird es ruhig und leer. Zu ruhig finden manche und meiden ihre Stadtkerne, dass sie ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn sie sich abends dort aufhalten. Wie in einer Geisterstadt.

Eines ist klar, eine Belebung nach Ladenschluss würde solchen Stadtzentren gut tun. Hilfreich wäre ein Mix aus Wohnen, Einzelhändlern und Gastronomie. Das gastronomische Angebot würde Einkäufer nach ihren Einkauf und nach dem Ladenschluss bewegen, in der Innenstadt zu bleiben, um etwas zu essen und zu trinken.

Das wiederum würde Menschen sogar nach Ladenschluss in den Stadtkern locken, auf der Suche nach abendlicher Geselligkeit. Und die darüber wohnenden Studierenden würden ihren Teil dazu beitragen, dass wieder mehr Leben in den Stadtkern einzieht. Dafür sind sie hinlänglich bekannt. Und genau einen solchen Mix plant SIGNA für das Viktoriakarree, das im Zentrum Bonns liegt.

Attraktivitätsschub für Innenstadt

Ein Einkaufszentrum bringt der Bonner Innenstadt einen entscheidenden Vorteil. Wenn im Viktoriakarree ein neues Einkaufszentrum seine Pforten öffnet, wird dadurch automatisch die Wettbewerbsposition der Innenstadt gegenüber kleineren Innenstädten im Umland stärken.

Eine Shopping Mall lockt Kunden aus nah und fern. Und da Einkaufszentren in der Regel von Kunden regelmäßig besucht werden, sorgt dies für eine Kundenbindung, von der nicht nur das Einkaufszentrum profitiert, sondern der gesamte Einzelhandel der Bonner Innenstadt.

Grundsätzlich bringe ein neues Einkaufszentrum für die Bonner Innenstadt einen deutlichen Attraktivitätsschub. Der zentrale Versorgungsbereich kann seine Wettbewerbsposition gegenüber den nächstgelegenen großen Konkurrenzstandorten stabilisieren und verbessern. Außerdem wird das Angebot der Innenstadt durch ein solches Center gesteigert und damit vielfältiger.

Neue Einkaufszentren locken nicht nur Kunden an, auch große Unternehmen wie Vodafone oder Primark siedeln sich gerne in Shopping Malls mit ihren Filialen ein. Und das zieht zusätzliche Käufer an. Davon profitieren nicht nur die Geschäfte des Einkaufszentrums. Da Bonn eine attraktive Fußgängerzone hat, werden auch die dortigen Geschäfte von dem Mehr an Kunden und der verstärkten Kaufkraft profitieren.

Und Einkaufszentren betreiben intensive Marketing- und Werbekampagnen. Diese sind meist überregional ausgeprägt. Auch davon profitiert der Bonner Einzelhandel, denn letztendlich bewirbt das Einkaufszentrum im Viktoriakarree nichts anderes als den Einkaufsstandort Bonner Innenstadt. Und der besteht nicht nur aus dem neuen Einkaufszentrum.