Planerideen für das Viktoriakarree


Vor einer Woche haben im Rahmen der Bürgerwerkstatt für das Viktoriakarree vier Planerteams ihre Ideen ausgearbeitet und vorgestellt. Das Interesse der Bevölkerung war eher schwach, aber jetzt kommt vielleicht Bewegung in die Diskussion.

Der Investor SIGNA, der u.a. Karstadt vor der Pleite gerettet hat und einer der größten Einzelhändler in Deutschland ist, hat sich die Vorschläge angeschaut und bewertet. Im Wesentlichen setzt SIGNA weiter darauf, dass der Einzelhandel auch im Viktoriakarree eine Chance bekommt. Neben den bereits bestehenden Geschäften in der Rathausgasse und Stockenstraße sollen zusätzliche Flächen erschlossen werden, um so das Einzelhandelsdreieck zwischen Bahnhof, Friedensplatz und Viktoriakarree zu komplementieren. Sonst, so Vertreter von SIGNA, verlagern sich die Besucherströme – womöglich sogar aus Bonn weg – und der Bereich um die Universität verliert weiter an Attraktivität. Untersuchungen zeigen, dass das vorhandene Potential für die Innenstadt z. Zt. nicht genutzt wird und der Standort Bonn an Zugkraft verliert.

Attraktiver Einzelhandel braucht Fläche

Wie sich zusätzliche Handelsflächen in das Gebiet einpassen, ist einer der Streitpunkte. Wer auf Attraktivität und Besucher setzt, muss heutzutage starke Argumente haben. Attraktive Anbieter mit einem breiten und hochwertigen Angebot sind nötig. Gleichzeitig muss es für die Besucher auch Angebote im Bereich des Food- und Restaurantbereich geben. Die Errichtung einer funktionierenden Markthalle wird kritisch gesehen. Die Marktgilde verteidigt den historischen Standort Markt und die bundesweiten Erfahrungen mit neu entstandenen Markthallen sind eher negativ.

Nachdem die Pläne der Universität im Viktoriakarree eine Bibliothek auf mehreren Etagen anzusiedeln – dies wäre im Bereich des früheren Eingangs zum Viktoriabad möglich gewesen – anscheinend nicht weiter verfolgt werden, wird viel über zusätzliche Angebote im Bereich studentisches Wohnen nachgedacht. Es gibt auch Vorschläge hier ein Veranstaltungs- und Begegnungshaus, ein sogenanntes „Mitmachhaus“, zu etablieren. SIGNA möchte hier gerne bis zu 100 Studentenappartements bauen.

Urbanes Leben stärken: studentische Leben und Arbeiten in der Innenstadt

Große Übereinstimmung gibt es bezüglich der Herstellung von Wegeführungen, die sich an historischen Vorbildern orientiert und so dem Viktoriakarree zu einem attraktiven Mix aus Urbanität, Einkaufen und Wohnen verhilft. Nach den Vorstellungen von SIGNA ist auch die Verkehrsberuhigung von Stockenstraße und Franziskanerstraße sinnvoll. Die Idee eines Brauhauses mit Außengastronomie ist eine von vielen Ideen, die Beteiligte ins Gespräch gebracht haben.

Bei den vielen Ideen, die teilweise sehr unterschiedlich sind und sich auch oft widersprechen, bleibt die Frage der Finanzierung bisher offen. Für SIGNA ist klar, dass es angesichts der städtischen Finanzlage keine hohen Investitionen für gemeinnützige Projekte geben wird. „Wir als Investor werden bei unserem Konzept Ideen aufnehmen. Dafür brauchen wir aber auch eine wirtschaftliche Grundlage.“ so ein Vertreter von SIGNA.

Der Rat entscheidet

Trotz eines großangelegten Beteiligungsprozess war das Interesse der Bevölkerung eher gering. Die aktivsten Protagonisten kamen aus Initiativen und Interessenverbänden. Jetzt werden die Ergebnisse beraten und dann entscheidet der Rat. Beobachter der Bonner Szene unken schon: “Es kommt wie immer. Groß gestartet und dann jahrzehntelanger Stillstand.“ Dies wäre das schlechteste aller Ergebnisse.

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