Viktoriakarree: Interesse an Bürgerwerkstatt eher mau

Um Ideen für die Neugestaltung des Bonner Viktoriakarrees zu sammeln, hat die Stadt Bonn beschlossen, eine Bürgerwerkstatt einzurichten. Dort sollten Bürger der Stadt ihre Vorstellungen einbringen – diese haben nicht sehr zahlreich ihren Weg zur Bürgerwerkstatt gefunden.

Dass das auch anderes sein kann, zeigt ein Beispiel in Hamburg. Dort sollen die maroden „Esso-Häuser“ auf St. Pauli abgerissen werden und eine Nachfolge gefunden werden.

Also wurde die PlanBude gegründet, um Ideen aus der Bevölkerung zu sammeln. Auf St. Pauli war das Interesse an der PlanBude groß. Über 2.000 Vorschläge für die neuen „Esso-Häuser“ wurden eingereicht. Herausgekommen ist der so genannte St. Pauli Code.

Er dient jetzt als Grundlage für den Bebauungsplan des Geländes auf St. Pauli. Dieser sieht einen kleinteiligen Mix aus Wohnen, Kleingewerbe, Gastronomie, Unterhaltung und öffentlichen Bereichen vor. Ein Plan, der den Vorstellungen von SIGNA für das Viktoriakarree sehr nahe kommt.

Mehr Argumente, weniger Steine …

In Hinblick auf den aktuellen Beitrag von @viktoriakarree auf Twitter, der ein durch Steinwurf beschädigtes Schaufenster des ViktoriaAtelier zeigt, wollen wir gesagt haben, dass wir uns Beteiligung mit Argumenten wünschen, aber wirklich nicht mit Steinen …

Sinnloses Zerstören ist keine gewünschte Form der Bürgerbeteiligung. Mit dem Beschmieren von Wänden, dem Einschlagen von Fenstern und anderen Formen der Sachbeschädigung  wird niemanden ein Dienst erwiesen. Im Gegenteil, es ist kriminell und im schlimmsten Fall, kann dabei jemand verletzt werden. Wer bei solchen Taten erwischt wird, muss mit privatrechtlichen Folgen wie Schadenersatz und mit strafrechtlichen Folgen rechnen. Im Rahmen der Bürgerwerkstatt gibt es reichlich Möglichkeiten, sich online oder bei entsprechenden Veranstaltungen zu äußern. Wer also vernünftige Argumente hat, wird gerne gehört und kann konstruktiv etwas zur Zukunft des Viktoriakarrees beitragen.

Wohnungen für Studenten

Bonn ist nicht nur eine Bundesstadt, sondern auch eine Studentenstadt und als solche sehr beliebt. Derzeit studieren in Bonn rund 36.000 junge Menschen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Und für sie ist es oft schwierig, eine Wohnmöglichkeit zu finden.

Das weiß auch Signa und will die Studierenden der Stadt bei der Neuentwicklung des Viktoriakarrees mit an Bord nehmen. Auf rund 6.000 Quadratmetern des geplanten neuen Gebäudekomplexes beabsichtigt das Unternehmen, neue Wohnungen für die Studenten zu bauen. So entsteht eine gute Mischung aus studentischem Leben, Versorgung und Freizeit.

Wer in Bonn studieren will, muss sich auf eine nervenaufreibende Wohnungssuche einrichten. So bietet das Studierendenwerk Bonn, die zentrale Anlaufstelle für wohnungssuchende Studenten, derzeit gerade mal 3.700 Wohnungsplätze an. 70 weitere sollen in naher Zukunft entstehen. Und zu den 36.000 Studenten der Universität Bonn kommen noch die Studenten der anderen Hochschulen in der Region hinzu, von denen die meisten in Bonn wohnen wollen.

Viele Studenten sehen sich daher auch auf dem privaten Wohnungsmarkt nach einer Bleibe um. Und wie in anderen deutschen Großstädten auch, ist die Situation dort sehr angespannt. Zusätzlicher Wohnraum für Studenten würde also zur Entspannung dieser Situation beitragen.

Neue Mieter für das Victoriakarree

Viktoriakarree: So viele Flächen vermieten wie möglich

Bis das neue Bauvorhaben am Viktoriakarree in Bonn in die Tat umgesetzt werden kann, will Signa die Immobilie nicht sich selbst überlassen. Rund ein Drittel der Fläche des Gebäudekomplexes ist in Besitz des österreichischen Investors. Und für diese Fläche ist der Investor auf intensiver Suche nach neuen Mietern. So wird der ehemalige Schuhladen an ein Bonner Startup vermietet und für die bisherige Backstube befindet sich Signa mit einer neuen Bäckerei in Verhandlungen. Ein Ladenlokal hat der neue Vermieter dem ViktoriaAtelier für die Bürgerwerkstatt zur Verfügung gestellt, ein weiterer Teil wurde an die Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen vermietet. In naher Zukunft wird die ehemalige Tanzschule für vier Wochen an die Alanus Hochschule für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt. Viele weitere Interessenten haben sich gemeldet.

Nicht so einfach

Zum einem ist es im Interesse aller Bonner und des Einzelhandels, die Räume des Karrees in der Übergangszeit zu nutzen. Zum anderen möchte der Investor durch eine Vermietung der Ladenlokale seine Kosten rund um das Projekt in der Bonner Innenstadt reduzieren. Viele Mietverhältnisse wurden nach Bekanntgabe der ersten Planung seitens der Mieter nicht mehr verlängert. Hauptproblem für Neuvermietungen sind neben den regelmäßigen Schmierereien an der Fassade die hohen Auflagen seitens des Bauamtes, wie zum Beispiel beim Brandschutz. Diese verlangen von potentiellen Mietern einige Investitionen, weshalb bislang viele abgewunken und kein Interesse an einem befristeten Mietverhältnis gezeigt haben. Signa arbeitet mit Hochdruck daran, die Situation vor Ort zu verbessern. Es wird auch weiter mit potentiellen Mietern verhandelt.

Zuversicht und Bürgernähe – Start der Bürgerwerkstatt

Die Bürgerwerkstatt für die Zukunft des Viktoriakarree ist gestartet. Bis Herbst können sich interessierte BürgerInnen mit ihren Ideen einbringen. Zebralog,  hat das Verfahren vorbereitet und sich in diesem Prozess, viele Gedanken darüber gemacht, wie die Öffentlichkeit in den Prozess eingebunden werden kann.

Wenn sich alle Teilnehmer ernsthaft auf den Prozess einlassen, kann die Werkstatt Bürgernähe schaffen und die Leitlinien für die Bürgerbeteiligung möglicherweise nachhaltig verbessern. (Quelle: Generalanzeiger, 13.02.2017)

Die ersten Ideen reichen von mehr Grünflächen, kleinteiligen Ladenzeilen,  Gastronomie bis hin zu mehr Wohnungen. Auch SIGNA hat eine entscheidende Änderung zu den Plänen vorgestellt: Statt der Bibliothek sollen Studentenwohnungen im Dachgeschoss gebaut werden. An der Ecke Rathausgasse/Stockenstraße soll ein Eingangstor für einen großen Mieter entstehen, der Kunden in das Gebäude lockt und an der Straße sind kleinteilige Geschäfte möglich.

„Unser Ziel ist es, dass im Viktoriakarree etwas entsteht, auf das die Bürger stolz sein können.“ (Quelle: Generalanzeiger, 13.02.2017)

Start der Bürgerwerkstatt Viktoriakarree

Am Samstag, den 11. Februar 2017 beginnt um 13 Uhr die Auftaktveranstaltung der Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Viktoriakarree. Die BürgerInnen in Bonn haben die Möglichkeit auf verschiedenen Kanälen, gemeinsam Ideen für die Zukunft des Areals rund um das geschlossene Viktoriabad zwischen Rathausgasse, Belderberg, Franziskanerstraße und Stockentor zu entwickeln und zu diskutieren. Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Prozess, der hoffentlich bald zu konstruktiven Lösungen führt. Mehr zum Ablauf der Auftaktveranstaltung und Infos zur Bürgerwerkstatt findet ihr hier: https://www.bonn-macht-mit.de/node/1405 und auch bald auf underem Blog.