Aktuelle Studie zeigt: In Bonn fehlen Wohnungen

In Deutschland fallen Bautätigkeit und Baubedarf räumlich krass auseinander. Während es in allen Großstädten an Wohnungen mangelt, werden in vielen ländlichen Regionen deutlich zu viele Einfamilienhäuser gebaut. Dies zeigt die Baubedarfsanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln für den Zeitraum 2011 bis 2015. (https://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/philipp-deschermeier-ralph-henger-bjoern-seipelt-michael-voigtlaender-wohnungsmangel-in-den-staedten-leerstand-auf-dem-land-342975)

Bedarf an Wohnungen in Bonn nur zu 49 Prozent gedeckt.
So stellten die Autoren der Studie fest, dass alleine in den sieben größten Städten in Deutschland nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen auch gebaut worden sind. In Bonn ist der Baubedarf nur zu 49 Prozent gedeckt. „Der enorme Wohnungsmangel in den Großstädten macht eine scharfe Preiskorrektur unwahrscheinlich. Selbst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, die Zinsen wieder leicht steigen und die Wanderung in die Städte nachlässt, bleibt Wohnraum knapp. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass allein aufgrund der Zinsentwicklung noch stärkere Preisanstiege gerechtfertigt gewesen wären“, heißt es in der Analyse.

Überbauung auf dem Land
Auf dem Land sieht es genau umgekehrt aus. In vielen ländlichen Kreisen ist deutlich mehr gebaut worden als nötig gewesen wäre. „Die Ursachen für diese Überbauung des ländlichen Raums sind vielfältig. Sehr stark wirken hier die Niedrigzinsen, welche die Finanzierung günstiger und damit den Kauf einer Immobilie attraktiver machen. Auch die Erschwinglichkeit von großen Einfamilienhäusern ist damit in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, so die Autoren der Studie. Wenngleich die Baukosten in der Vergangenheit ebenfalls stetig angezogen sind, wirkt der Zinseffekt der letzten Jahre deutlich stärker auf die Gesamtkosten beim Kauf eines Hauses. Hinzu kommt, dass in ländlichen Räumen Bauland reichlich vorhanden ist. Während in den Großstädten verfügbare Grundstücke den entscheidenden Flaschenhals darstellen.

Deutschland wächst wieder
Und dieser Flaschenhals wird immer stärker belastet. Denn im Zuge der starken Zuwanderung in den letzten Jahren hat sich die demografische Perspektive Deutschlands verschoben, insgesamt wächst Deutschland wieder. Allerdings konzentriert sich die Entwicklung auf einige Ballungsräume, in vielen ländlichen Regionen oder auch in Regionen mit schwieriger wirtschaftlicher Perspektive wird die Bevölkerung weiter schrumpfen. Für Bonn lässt diese Analyse des Institutes der deutschen Wirtschaft nur einen Schluss zu. Die Verantwortlichen der Stadt müssen sich verstärkt für die Schaffung neuen Wohnraums in der Innenstadt einsetzen. Jeder noch so kleine neu geschaffene Wohnraum ist zu begrüßen. Also sollte bei jedem neuen Bauprojekt in der Stadt auch der fehlende Wohnraum mit bedacht werden.

Kultur- und Freizeitangebot erhöht Attraktivität

In einer Studie beschäftigt sich das Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung auch mit der Rolle von Kultur und Freizeit in den Innenstädten Deutschlands. Städte sind seit jeher Zentren wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Aktivitäten, so die Studie. Der Handel übernimmt dann gemeinsam mit Gastronomie, Tourismus, Kultur- und Freizeitangeboten eine zentrale Rolle für die Attraktivität der Stadt und ist wichtiger Motor der Innenstadtentwicklung. Das gilt auch für die Bonner Innenstadt.

Laut Studie ist eine monofunktionale Optimierung der Innenstädte mit Fokus auf den Handel weder gewünscht noch zielführend. Vielmehr gilt es, einen gesunden Mix aus Handel, Kultur- und Freizeitangebot, Bildung sowie Gastronomie zu finden, um eine Innenstadt attraktiv zu gestalten.

Das ergibt sich unter anderem aus dem Ausgabeverhalten der Bevölkerung. Bereits seit den 1960er-Jahren nimmt der Anteil der einzelhandelsrelevanten Ausgaben an allen Verbrauchsausgaben ab. Dieser Trend setzt sich weiter fort. Im Jahr 2003 gaben die Deutschen noch 33 Prozent ihrer Konsumausgaben im Einzelhandel aus. Zehn Jahre später waren es nur noch 28,6 Prozent. Dabei handelt es sich um bewusste Konsumentscheidungen der Verbraucher. So tritt die Nachfrage nach Freizeitaktivitäten, Kultur und Urlaub an Stelle von Nachfrage nach Konsumgütern. Dem muss das Angebot in einer Innenstadt gerecht werden.

In vielen größeren Städten geschieht dies bereits. Größere Innenstädte weisen einen Freizeit-, Stadtbummel- und Unterhaltungscharakter auf. Oft sind auch junge Leute in ihrem Freizeitverhalten eher auf die Innenstadt hin orientiert; dagegen ziehen ältere Kunden kleinere, übersichtliche und zentrumsnahe Geschäfte vor. Die Erlebniskomponente und ein Freizeit- und Spaßeffekt sind also eine wichtige Facetten der „Überlebensstrategie“ des stationären Einzelhandels.

Ein verstärktes Kultur- und Freizeitangebot ist also stadtpolitisch besonders bedeutsam. Dieses muss vor allem auf die Interessen der Bonner Stadtbevölkerung zugeschnitten sein. Kultur- und Freizeitangebote wirken aber auch bis weit in die Region hinein, was bedeutet, dass nicht nur das Einkaufsangebot Menschen aus dem Umland Bonns in die Innenstadt lockt. Ein richtiger Schritt in diese Richtung in Bonn wäre der Erhalt des Stadtmuseums im Viktoriakarree, wie es dessen Förderverein fordert. So würde ein wichtiges kulturelles Angebot in der Innenstadt bleiben, das die Attraktivität des Stadtkerns erhöht.