Viktoriakarree: Interesse an Bürgerwerkstatt eher mau

Um Ideen für die Neugestaltung des Bonner Viktoriakarrees zu sammeln, hat die Stadt Bonn beschlossen, eine Bürgerwerkstatt einzurichten. Dort sollten Bürger der Stadt ihre Vorstellungen einbringen – diese haben nicht sehr zahlreich ihren Weg zur Bürgerwerkstatt gefunden.

Dass das auch anderes sein kann, zeigt ein Beispiel in Hamburg. Dort sollen die maroden „Esso-Häuser“ auf St. Pauli abgerissen werden und eine Nachfolge gefunden werden.

Also wurde die PlanBude gegründet, um Ideen aus der Bevölkerung zu sammeln. Auf St. Pauli war das Interesse an der PlanBude groß. Über 2.000 Vorschläge für die neuen „Esso-Häuser“ wurden eingereicht. Herausgekommen ist der so genannte St. Pauli Code.

Er dient jetzt als Grundlage für den Bebauungsplan des Geländes auf St. Pauli. Dieser sieht einen kleinteiligen Mix aus Wohnen, Kleingewerbe, Gastronomie, Unterhaltung und öffentlichen Bereichen vor. Ein Plan, der den Vorstellungen von SIGNA für das Viktoriakarree sehr nahe kommt.

Mehr Wohnungen für Bonn

Der Druck auf die Städte in Nordrhein-Westphalen ist gewaltig, es herrscht Notstand an der Wohnungsfront. Das gilt auch für Bonn. So warnt der Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen vor einer zunehmenden Wohnungsnot in Bonn.

Die derzeitigen Bautätigkeiten würden in rheinischen Metropolen wie Köln, Bonn und Düsseldorf sowie in Universitätsstädten wie Münster und Aachen nicht annähernd den Bedarf decken. Entlang des Rheins in Köln, Bonn, Düsseldorf, Neuss und Kleve ist nach Einschätzung von Experten mindestens bis zum Jahr 2040 mit einer steigenden Nachfrage nach Wohnungen zu rechnen.

Da kann der Stadt Bonn und ihren Bewohnern sowie Studenten das Bauvorhaben des Investors SIGNA nur entgegenkommen. Der plant nicht nur, im Viktoriakarree in der Innenstadt ein Einkaufszentrum zu errichten, sondern dieses mit Wohnungen und Studentenwohnungen zu kombinieren.

Damit würde SIGNA die Stadt Bonn merklich entlasten. Vor allem vor dem Hintergrund des derzeitigen akuten Notstands an der Wohnungsfront: Studenten auf der Suche, Flüchtlinge, die untergebracht werden müssen, Menschen, die keine Wohnungen mehr in Bonn finden. Nachdem der Investor das Viktoriakarree erworben hatte, war einer seiner ersten Schritte, in den leer stehenden Wohnungen Flüchtlinge unterzubringen.

Attraktivitätsschub für Innenstadt

Ein Einkaufszentrum bringt der Bonner Innenstadt einen entscheidenden Vorteil. Wenn im Viktoriakarree ein neues Einkaufszentrum seine Pforten öffnet, wird dadurch automatisch die Wettbewerbsposition der Innenstadt gegenüber kleineren Innenstädten im Umland stärken.

Eine Shopping Mall lockt Kunden aus nah und fern. Und da Einkaufszentren in der Regel von Kunden regelmäßig besucht werden, sorgt dies für eine Kundenbindung, von der nicht nur das Einkaufszentrum profitiert, sondern der gesamte Einzelhandel der Bonner Innenstadt.

Grundsätzlich bringe ein neues Einkaufszentrum für die Bonner Innenstadt einen deutlichen Attraktivitätsschub. Der zentrale Versorgungsbereich kann seine Wettbewerbsposition gegenüber den nächstgelegenen großen Konkurrenzstandorten stabilisieren und verbessern. Außerdem wird das Angebot der Innenstadt durch ein solches Center gesteigert und damit vielfältiger.

Neue Einkaufszentren locken nicht nur Kunden an, auch große Unternehmen wie Vodafone oder Primark siedeln sich gerne in Shopping Malls mit ihren Filialen ein. Und das zieht zusätzliche Käufer an. Davon profitieren nicht nur die Geschäfte des Einkaufszentrums. Da Bonn eine attraktive Fußgängerzone hat, werden auch die dortigen Geschäfte von dem Mehr an Kunden und der verstärkten Kaufkraft profitieren.

Und Einkaufszentren betreiben intensive Marketing- und Werbekampagnen. Diese sind meist überregional ausgeprägt. Auch davon profitiert der Bonner Einzelhandel, denn letztendlich bewirbt das Einkaufszentrum im Viktoriakarree nichts anderes als den Einkaufsstandort Bonner Innenstadt. Und der besteht nicht nur aus dem neuen Einkaufszentrum.

Alles unter einem Dach

Die Idee, alle Einkäufe unter einem Dach in einer Shopping Mall zu erledigen, wurde bereits in den 1960er Jahren aus den Vereinigten Staaten von Amerika importierte. Mittlerweile hat sich das Konzept in ganz Europa durchgesetzt. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Fragt man die Besucher eines Einkaufzentrums nach ihren Motiven für ihren Besuch, bekommt man oft die gleiche Antwort zu hören. Wie zum Beispiel von Gaby Esser im Rhein Center in Köln: „Ich komme regelmäßig hierhin“, so die Shopperin. „Man findet alles, was man braucht unter einem Dach und weiß, wo man es findet. Das ist praktisch und angenehm.“

Außerdem seien die Wege beim Einkaufen angenehm kurz. Hinzu kämen die gemütlichen Sitzgelegenheiten und Bänke, die reichlich zu finden sind. „Da kann man sich ausruhen und dabei das geschäftige Treiben beobachten. Oder ich gönne mir ein Eis und einen Cappuccino im Eiskaffee.“ Und dabei sei es völlig egal, wie das Wetter ist. Im Einkaufszentrum spiele das Wetter keine Rolle. Mittlerweile habe sich das Rhein Center zu einem Treffpunkt für sie und ihre Freundinnen entwickelt.

Die Ladenlokale im Rhein Center sind komplett vermietet und die Fluktuation ist eher gering. Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist das Einkaufszentrum aus der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Shopping Mall. Alle Einkäufe unter einem Dach. Einkaufzentrum

Shopping Mall. Alle Einkäufe unter einem Dach.

Richtige Richtung: Für eine attraktive Bonner Innenstadt

Noch vor einiger Zeit machte sich bei den Bonner Bürgern Frust breit. Neue Impulse für eine Modernisierung und positive Entwicklung der Innenstadt verliefen regelmäßig im Sand. Stattdessen waren sie dazu verurteilt, mit innerstädtischen Provisorien zu leben. So ließ die nötige Sanierung der Beethovenhalle auf sich warten und wurde immer wieder unterbunden. Das Gleich gilt für die Neugestaltung des Hauptbahnhofs oder für den Bahnhofvorplatz, auch „Bonner Loch“ genannt. Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Stattdessen wird in Bonn angepackt.

Der Rat der Stadt Bonn beschloss im Dezember 2015 die Sanierung der Beethovenhalle; dafür fallen Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro an. Zusätzlich sollen weitere knapp 10 Millionen Euro durch bürgerschaftliches sowie privates Engagement eingeworben werden. Die Beethovenhalle soll die zentrale Spielstätte für das Beethoven-Jubiläum im Jahr 2020 sein. Dafür muss die Beethovenhalle umfangreich saniert und modernisiert werden. Die Sanierungsarbeiten begannen im Oktober 2016 und sollen im Sommer 2018 abgeschlossen sein.

Ähnlich gut ist es auf einmal um den Bahnhof und dessen Vorplatz bestellt. Beides soll umgebaut werden. Der Rat der Stadt Bonn hat den entsprechenden Beschlussvorlagen der Verwaltung in seiner Sitzung am 30. Juni letzten Jahres zugestimmt. Die Südüberbauung wird entkernt. Bis 2019 will der Investor, der in Bonn unter anderem auch die GIZ-Zentrale am Trajektkreisel errichtete, mit dem Bau des geplanten Maximilian-Centers fertig sein. Dann zieht in den überwiegenden Teil die Textilkette Primark ein. Und Mitte 2017 soll auch mit dem Bau von Urban Soul, den drei Gebäudekomplexen zwischen Bonner Loch und Thomas-Mann-Straße sowie an der Rabinstraße begonnen werden.

Ein nächster Schritt in diese richtige Richtung ist die geplante Neugestaltung des Bonner Viktoriakarrees durch den Investor SIGNA. Der plant, dort ein Einkaufszentrum kombiniert mit Studentenwohnungen zu errichten. So entsteht ein gemischt genutztes, lebendiges Stadtquartier. Es wird zum Brückenschlag zwischen Universität und der innerstädtischen Fußgängerzone. Gleichzeitig bildet das Areal einen Mosaikstein in der Entwicklung der Einzelhandelsflächen Bonns. Das wertet die Attraktivität der Bonner Innenstadt noch einmal auf.

Tolles Einkaufserlebnis und Studentenwohnungen

In Deutschland zeichnet sich ein neuer Trend ab. Städte und Gemeinden gehen hin und kombinieren neue Einkaufsmöglichkeiten mit Wohnraum für Studenten. Wie zum Beispiel in Klarenthal bei Saarbrücken. Dort wurde ein entsprechendes Bauvorhaben einstimmig genehmigt.

Daraufhin begannen die Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum Süd, das auch Wohnungen für Studierende beinhaltet. Entstanden sind 177 Wohnungen mit jeweils 21 Quadratmetern, alle barrierefrei erreichbar. Damit setzte man auf den steigenden Bedarf der benachbarten Hochschule Rhein-Main. Gleichzeitig wurde ein gutes Beispiel für eine lebendige Innenstadtentwicklung gesetzt.

So sei das Objekt langfristig gut zu betreiben und mit Leben zu füllen, gibt sich der dortige Investor überzeugt. Ein solch „lebendiges“ Projekt würde auch der Bonner Innenstadt gut zu Gesicht stehen. Davon ist SIGNA fest überzeugt. Daher plant SIGNA ebenfalls als eine Kombination aus Einkaufsmöglichkeiten und Studentenwohnungen für das Viktoriakaree.

Dabei bleibe aber der Einkaufsbereich der wichtigste Teil, weil es das Kerngeschäft sei, erklärte Matthias Pfeifer, Architekt für SIGNA in Bonn, im Rahmen der Bürgerwerkstatt. Statt der ursprünglich vorgesehenen Flächen für die Unibibliothek im Viktoriakarree wolle SIGNA aber Studentenwohnungen im Dachgeschoss bauen. Nach Informationen des Studierendenwerk Bonn ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Studenten sehr angespannt. Ziel des Projekts sei es, dass im Viktoriakarree etwas entsteht, auf das die Bürger stolz sein können und das die Innenstadt mit Leben und Einkaufsfreude erfüllt.

Dass ein solches Konzept aufgeht, zeigt auch der Gasometer in Wien. In dem ehemaligen Industriebau realisierten Architekten eine Kombination aus 73 Studentenappartements mit 247 Betten und einer Geschäftsfläche für ein Einkaufszentrum mit 3.894 Quadratmetern. Mittlerweile ist der Standort nicht mehr aus Wien wegzudenken und wird sogar als Reisetipp für Wien-Reisende aufgeführt.

Starke Entwicklungsmöglichkeiten

Potentialanalyse für Viktoriakarree in Bonner Innenstadt

Für die Realisierung eines Einkaufszentrums am Viktoriakarre hat die Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH eine Potentialanalyse durchgeführt. Diese berücksichtigt auch die die mögliche Entwicklung weiterer innerstädtischer Flächen mit Einzelhändlern. Für die Bestandsanalyse des innerstädtischen Einzelhandels sowie der städtischen und regionalen Wettbewerbssituation wurden Vor-Ort-Recherchen durchgeführt, ergänzt durch die Auswertung von Maklerberichten sowie statistischen Materialien und Informationen der Bundesstadt Bonn.

Ausgangssituation

Die Bundesstadt Bonn mit ihren knapp 320.000 Einwohnern ist nach Köln der zweitwichtigste Einzelhandelsstandort im südlichen Nordrhein-Westfalen. Das Bonner Einzugsgebiet umfasst Städte und Gemeinden des umliegenden Rhein-Sieg-Kreises sowie Teile des nördlichen Bundeslands Rheinland-Pfalz. Stadt und Umland zeichnen sich durch eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und ein anhaltendes Bevölkerungswachstum aus. Dennoch sieht sich auch das Oberzentrum Bonn einer zunehmenden Konkurrenz durch die Realisierung neuer Einkaufszentren und großflächiger Einzelhandelsplanungen in den umliegenden Mittelzentren ausgesetzt.

Struktur der Bonner Innenstadt

Insgesamt weist die Bonner Innenstadt aktuell eine Verkaufsfläche von mehr als 130.000 qm auf. Die zentrale Einkaufslage der Bonner Innenstadt besitzt eine kompakte räumliche Ausdehnung. Eine deutliche Ausprägung übernimmt die innerstädtische Leitbranche Bekleidung, Schuhe, (Sport) auch in Bonn. Defizite wurden hingegen bei Elektrowaren festgestellt, die sich jedoch durch die Ansiedlung des Elektrofachmarkts in der Innenstadt relativiert haben. Ebenfalls wurde die Verkaufsflächenstruktur bewertet, die in der Bonner Innenstadt durch viele kleinstrukturierte Flächen, schmale und tiefe Zuschnitte und mehrgeschossige Einzelhandelsnutzungen geprägt wird.

Ausbaupotentiale

Auf Grundlage der Bestandsanalyse und der Entwicklungsmöglichkeiten konnte ein Zusatzbedarf an ca. 35.000 qm Verkaufsfläche ermittelt werden. Hiermit ließen sich auch die derzeitig in der Diskussion befindlichen Einzelhandelsprojekte in Bahnhofsnähe gemeinsam mit dem Viktoriakarree realisieren. Vorrausetzung ist jedoch, dass Einzelhandelsplanungen konzeptionell aufeinander abgestimmt werden. In der Gesamtbetrachtung lässt die Realisierung der Einzelhandelsplanungen eine starke Entwicklungsmöglichkeit für die Bonner Innenstadt erwarten:

  • Die Wettbewerbsposition gegenüber kleineren Innenstädten im Umland würde gestärkt.
  • Von größeren Beeinträchtigungen der Bonner B-Zentren (Bad Godesberg, Beuel und Duisdorf) ist nicht auszugehen.
  • Witterungsgeschütztes Einkaufen würde bisherige Angebotsformen ergänzen und die dadurch derzeit bestehenden Standortnachteile abbauen.
  • Trotz zu erwartender Verkaufsflächenrückgänge in einzelnen Lagen, z. B. durch Wegfall derzeit einzelhandelsgenutzter Ober- und Untergeschosse oder die Verkleinerung tiefer Ladeneinheiten, ist eine Stärkung des bestehenden Einzelhandelsgefüges aufgrund der räumlichen Verteilung der neuen Einzelhandelsstandorte auf die Randlagen der Bonner Innenstadt grundsätzlich möglich.