Verständnis für den Rückzug von Investor Signa im Viktoriakarree

In der WDR Lokalzeit Bonn bekam der Investor Signa gestern viel Verständnis für seinen angekündigten Rückzug aus der Bürgerwerkstatt Viktoriakarree. Für den Fraktionsgeschäftsführer der Bonner CDU, Georg Fenninger, kommt der Ausstieg nicht überraschend und ist auch nachvollziehbar. Er hatte die Bürgerwerkstatt von Anfang an als „Sandkastenspielerei“ bezeichnet. „Da war ja mit zu rechnen. Es ist immer so, wenn man so eine Bürgerwerkstatt macht und über das Eigentum anderer befinden will, ohne den anderen Eigentümer dazu zu hören, dass es dann so ein Ergebnis gibt“, so Fenninger in der Lokalzeit.

Auch von wissenschaftlicher Seite gab es Rückendeckung für die Entscheidung der Signa. Prof. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg machte als Studiogast in der Lokalzeit deutlich, dass reiner kleinteiliger Einzelhandel im Sinne einer Boutiquenlandschaft im Viktoriakarree keinen Sinn machen würde. Diese habe man ja bereits jetzt schon ausreichend in Bonn durch die historische Bausubstanz. Aus seiner Sicht gibt es stattdessen eine nachvollziehbare Nachfrage nach größeren Einzelhandelsflächen, weil in den vorhandenen Strukturen die Nachfrage nicht befriedigt werden kann. „Es gibt in Bonn nicht genügend Großflächen für moderne Ladenkonzepte“, so Prof. Roeb. Die Bürgerwerkstatt sieht Roeb als „kleine, aktivistische, politisch weit links stehende Minderheit, die sich da reinhängt und die sich für die breite Masse der Menschen, die in Bonn einkaufen, gar nicht interessiert, sondern nur gesellschaftspolitische Ideen verfolgt“, sagt Prof. Roeb. Deshalb, so Prof. Roeb, kann man bei der Bürgerwerkstatt auch nicht von „den Bürgern“ sprechen.

Der ganze Beitrag ist noch eine Woche in der Mediathek zu sehen:

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bonn/video-lokalzeit-aus-bonn-1404.html

Vier Entwürfe der Planungsbüros nicht realisierbar

(Ideenskizze SIGNA zum Viktoriakarree)

Der Investor SIGNA hat die vier Vorschläge zur Neugestaltung des Viktoriakarrees analysiert und auf ihre Umsetzbarkeit hin bewertet. Das Ergebnis: Die Vorschläge erfüllen nicht die Anforderungen, um den Bereich des Viktoriakarrees nachhaltig aufzuwerten. So würden die Vorschläge würden keinen neuen Einzelhandelsschwerpunkt und damit auch kein Gegengewicht zu den großen Handelsobjekten am Bahnhof und Friedensplatz schaffen.

So sei in dem Vorschlag von skt umbaukultur Architekten BDA kein großflächiger Einzelhandel vorgesehen. Damit erreiche das Viktoriakarree keine übergeordnete Bedeutung. Alternativ sehe der Vorschlag eine prominente Markthalle vor. Für die gebe aber es weder einen Betreiber, Pächter oder Mieter. Außerdem würde eine solche Halle die alteingesessenen Strukturen im Bonner Zentrum bedrohen. Die vorhandene kleinteilige Struktur sei völlig aufgegeben worden und die losgelöste Architektur zerstöre den vorhanden städtischen Raum im Zentrum der Stadt. Das Projekt leiste insgesamt keinen Beitrag zur positiven Stadtentwicklung und wirtschaftlich mache es auch wenig bis keinen Sinn.
Ein Kleinkaufhaus, wie vom Büro Scheuvens und Wachten vorgeschlagen, sei höchstwahrscheinlich nicht überlebensfähig. Es stelle sich die Frage, wer Betreiber und wer Mieter sein soll. Auch die Idee eines „Mitmach-Hauses“ lasse völlig offen, wer es betreibt oder finanziert. Letztendlich würde ein solches Haus die Stadt Bonn nur finanziell belasten. Die Verlagerung des Stadtmuseum in das ehemalige Viktoriabad erzeuge auch keinen Erlös, jedoch hohe Umbau- und Instandhaltungskosten. Mit dem Konzept würde kein neuer Handelsschwerpunkt geschaffen. Und die Errichtung eines Parks ausschließlich für die Anwohner ergebe angesichts des benachbarten Hofgartens überhaupt keinen Sinn. Insgesamt bringe auch diese vorgeschlagene Nutzung keinen wirtschaftlichen Ertrag und leiste keinen Beitrag für die Gesamtstadtentwicklung bzw. zur Steigerung der Attraktivität.

Das Büro KCAP Achitects & Planners sehe eine bunte Mischung aus Gastronomie, Gewerbe, Einzelhandel und Wohnen. Das sei begrüßenswert. Aber die vorgeschlagenen kleinteiligen Handelsflächen seien in Bonn ausreichend vorhanden. Und die Schaffung von Höfen im Verhältnis zu den entstehenden kleinen Handelsflächen sei auch für die Händler unwirtschaftlich. Die Höfe seien sehr klein ohne gewachsene Strukturen und würden ein dunkles Ambiente entstehen lassen. Auch die vorgeschlagene phasenweise Entwicklung mit verschiedenen Investoren erscheine als unwirtschaftlich. Es werde kein neuer Handelsschwerpunkt geschaffen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts innerhalb der Stadt.

In dem Vorschlag der Molestina Architekten + Landschaftsarchitektur sei die Neubelebung des Viertels durch Gastronomie, Einkauf, Wohnen und Bestandsanierung ebenfalls zu begrüßen. Aber auch dieses Projekt schaffe keinen neuen Handelsschwerpunkt zur Herstellung oder Erhaltung des Gleichgewichts der Handelsbereich innerhalb der Stadt. Insbesondere der Zugang zum Innenbereich sei zu versteckt und unattraktiv. Der kleinteilige Einzelhandel im Blockinneren sei nicht überlebensfähig als Gegengewicht zu den neuen Handelsobjekten an Bahnhof und Friedensplatz.

Bürgerbeteiligung ist gescheitert

In einem Brief hat der Investor SIGNA dem Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan mitgeteilt, dass man die Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Viktoriakarrees als gescheitert ansieht. „Wir sehen unter diesen Gesichtspunkten keine wirtschaftliche, sinnvoll umsetzbare Weiterentwicklung des Viktoriakarrees und als SIGNA-Gruppe auch keine Chance mehr, im laufenden Prozess nachhaltig umsetzbare Konzepte zu entwickeln“, heißt es in dem Schreiben.
Die Bürgerbeteiligung war im Februar an den Start gegangen und wurde als Bürgerwerkstatt konzipiert. Ziel war es Ideen und Perspektiven für die Entwicklung des Viktoriakarrees zu finden. Die Einbindung der Bürger habe SIGNA immer begrüßt und auch selber Vorschläge eingebracht. Leider sei diese Bürgerwerkstatt nie von einer breiten Öffentlichkeit getragen worden, sondern nur von vereinzelten Partikularinteressen.

Das SIGNA-Konzept habe immer einen Mix aus unterschiedlichen Nutzungen vorgesehen, wobei auf den wichtigen Einzelhandel, die Gastronomie und studentische Infrastruktur eingegangen worden sei. SIGNA verfolge weder die komplette Überbauung des Areals noch eine „radikale Durchkommerzialisierung“, was SIGNA oft vorgeworfen worden sei. Vielmehr fördere SIGNA eine kleinteilige Struktur und das studentische Flair.

In einem ursprünglichen Exposé für die EU weite Ausschreibung habe SIGNA ausgeführt, dass sich die Bonner City aufgrund unterschiedlichster Vorzüge als wichtiges Einkaufs- und Aufenthaltsziel auszeichnet. Und das der Bereich des Viktoriakarrees und Umgebung einer Aufwertung zugeführt werden soll. SIGNA habe sich immer in diese Richtung engagiert und entsprechend in der Bürgerbeteiligung eingebracht. Die vier Entwürfe, die in der Bürgerwerkstatt erarbeitet wurden, seien diesen Anforderungen aber nicht gerecht worden. (weitere Berichte in diesem Blog).
Wie es weitergeht liegt nun an der Stadt. Sie ist der größte Grundbesitzer im Viktoriakarree. SIGNA stehe in diesem Fall für weitere Gespräche zur Verfügung.

Vier Nutzungskonzepte für das Viktoriakarree in der Analyse:

Ende August sind die Nutzungskonzepte der vier Architekturbüros für das Bonner Viktoriakarree vorgestellt worden. Der Verein City-Marketing Bonn, der Bonner Einzelhandelsverband und die IHK Bonn/Rhein-Sieg haben sich die Vorschläge angeschaut und auf ihre Tauglichkeit überprüft. BONNDIREKT stellt die Pros und Kontras zu den einzelnen Vorschlägen gegenüber.

Neuer Wohnraum für Studenten

Die skt umbaukultur Architekten befürworten die Idee, im Viktoriaviertel Wohnungen für Studierende zu bauen. Das sei sehr zu begrüßen und sorge für Belebung und mehr Urbanität im Viertel. Das gleiche gilt für den Vorschlag, eine neue Tiefgarage unter dem Viktoriakarree anzulegen. Diese Infrastrukturmaßnahme verbessere zusammen mit anderen geeignete Maßnahmen die Attraktivität der Innenstadt. Ebenfalls begrüßt wird das mögliche Ziel, Straßen rund um das Viktoriakarree, wie die Rathausgasse und Franziskanerstraße zur Fußgängerzone zu machen. Das entspreche der Logik, insgesamt die Fußgängerzone in der Innenstadt zu vergrößern und auch Richtung Rhein zu verlängern, um ihn „näher an die Stadt zu bringen“ Eine prominente Markthalle im Zentrum des Karrees zu errichten, wird bei den Wirtschaftsexperten dagegen kritisch gesehen. Eine solche Markthalle würde unmittelbar mit dem Marktplatz konkurrieren, so dass sich die beiden Standorte gegenseitig kannibalisieren. Auch die losgelöste Architektur des Vorschlags kommt weniger gut an. Dadurch werde die kleinteilige Struktur vor Ort aufgelöst und der vorhandene städtische Raum im Zentrum Bonns zerstört.

Neuer Mix mit schlechtem Zugang

Die Molestina Architekten wollen eine Neubelebung des Viertels erreichen. Und zwar durch einen Mix aus Gastronomie, Einkaufen, Wohnen und Bestandssanierung. Dieser Vorschlag wird von dem Verein City-Marketing Bonn, dem Einzelhandelsverband und der IHK als begrüßenswert erachtet. Dafür bewerten sie den geplanten Zugang zum Innenbereich als unattraktiv, da er zu versteckt ist. Außerdem sehen sie in diesem Vorschlag keine Möglichkeit zur Schaffung eines Handelsmagneten zur Herstellung oder Erhaltung des Gleichgewichts der Handelsbereiche innerhalb der Stadt Bonn. Denn das Gegengewicht zu den neuen großen Handelsobjekten am Bahnhof und Friedensplatz fehle. Hinzu kommt, dass ein kleinteiliger Handel im Blockinnern nur wenig Überlebenschancen gegeben werden, ohne einen fehlenden Magneten.

Ansiedlung von Start-Ups

Das Büro KCAP Architects & Planners Vorschlag steht unter dem Motto „Mehr als Wohnen und Arbeiten“. Es will in dem Viktoriakarree Start-ups und Co-Working Möglichkeiten integrieren und sieht auch einen kollektiven Dachgarten vor. Ziel ist es eine bunte Mischung aus Gastronomie, Gewerbe, Einzelhandel und Wohnen ins Leben zu rufen. Dieser Ansatz kommt bei der IHK, dem Einzelhandelsverband und City Marketing gut an. Als weniger begrüßenswert wird der Vorschlag bewertet, neue kleinteilige Handelsflächen zu schaffen. Von denen gebe es in Bonn bereits genug und ein kleinteiliger Handel im Blockinnern sei auf Dauer nicht überlebensfähig. Auch der Bau von vielen neuen Innenhöfen wird negativ gesehen, da diese im Verhältnis zu den entstehenden kleinen Handelsflächen unwirtschaftlich seien. Außerdem würden sie ein enges und dunkles Ambiente erzeugen. Auch bei diesem Konzept von KCAP Architects & Planners vermissen die Wirtschaftsverbände das Gegengewicht zu den neuen großen Handelsobjekten am Bahnhof und Friedensplatz.

Mitmachhaus als Mittelpunkt

In dem Konzept des Büros scheuvens + wachten plus befürworten die IHK, der Einzelhandelsverband und City Marketing den Vorschlag im Obergeschoss des Karrees neue Wohnungen zu bauen. Ein neues Kleinkaufhaus sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überlebensfähig, weil ein zu kleines Angebot keine zusätzlichen Kunden in dieses Format bewegen würde. Da sei die Konkurrenz durch die beiden bestehenden Kaufhäuser Kaufhof und Karstadt zu groß. Viele Fragen gibt es noch bei dem geplanten Mitmach-Haus: Wer soll das betreiben und mieten? Und wer soll für die Errichtungskosten aufkommen? Wahrscheinlich sei hier die Stadt gefordert, die aber versucht gerade die Fläche zu verkaufen, um Erlöse für den angespannten Haushalt zu genieren. In dem Fall würden keine Erlöse für die Stadt, sondern wiederum hohe Kosten auf sie zukommen. Das Gleiche gelte für die vorgesehene Verlagerung des Stadtmuseums in das ehemalige Viktoria Bad. Das erzeuge ebenso keine Erlöse, jedoch hohe Umbau- und Instandhaltungskosten
Die Meinungen zu den neuen Nutzungskonzepten gehen in der Stadt wieder mal weit auseinander. Es wird deshalb umso spannender, wie die Vorschläge bei der Expertenkommission ankommen und zu einem Nutzungskonzept komprimiert werden.

Studie zum Erfolg von Markthallen

Der wissenschaftliche Hintergrund: Markthallen haben keine Magnetwirkung

In einer Studie beschäftigen sich Experten der GfK GeoMarketing mit den Erfolgskriterien von Markthallen. Dafür wurden 18 Markthallen in deutschen Großstädten untersucht. Es stellte sich heraus, dass jede Dritte nicht funktioniert und deutliche Funktionsdefizite aufweist. Die wichtigste Erkenntnis der Studie lautet aber: Bei der Planung einer Markthalle wird oft vergessen, dass Markthallen keine Einkaufsmagneten sind und Besucherströme anziehen, sondern das sie zum Überleben selber welche brauchen.

Die häufigsten Funktionsdefizite sind: Umsatzprobleme, Mangel an Besucherfrequenz und vor allem schlechte Anbindung ins das Standortumfeld. Dabei weisen Markthallen mit einer Top Lage die geringsten Defizite auf. Handelt es sich aber um Randlagen, an denen die wesentlichen Besucherströme einer Innenstadt nicht vorbeiführen, werden sofort Defizite in der Umfeldstruktur und damit die Probleme sichtbar.

Markthallen leben von der Frequenz

„Markthallen leben von der Frequenz, produzieren selbst aber eher selten Besucherströme. Die vielerorts verbreitete Meinung, Markthallen generierten Passantenfrequenz und trügen maßgeblich zur Belebung der Lagen bei, trifft in den meisten Fällen nicht zu“, warnt Wilfried Weisenberger, Projektleiter der Studie bei GfK GeoMarketing. Denn als Grundversorger dienen Markthallen in Zeiten der „Geiz ist Geil Mentalität“ in Deutschland schon lange nicht mehr. Markthallen hatten in der Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts die als unhygienisch geltenden offenen Wochenmärkte abgelöst und sicherten damals die Grundversorgung der Bevölkerung. Heute übernehmen Supermärkte und Discounter auf der einen Seite und Wochenmärkte aus der anderen Seite diese Aufgabe.

Standort-Voraussetzungen für Markthallen

Eine erfolgreiche neue und nicht historisch vorhandene Markthalle benötigt laut der Studie von GfK GeoMarketing bestimmte Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Eine der wichtigsten ist eine hohe Passantenfrequenz sowie eine innerstädtische Haupteinkaufslage. Als weitere Kriterien für eine erfolgreiche Markthalle nennt die Studie uneingeschränkte Visibilität, sehr gute ÖPNV-Anbindung und gute Parkmöglichkeiten.

Planerideen für das Viktoriakarree


Vor einer Woche haben im Rahmen der Bürgerwerkstatt für das Viktoriakarree vier Planerteams ihre Ideen ausgearbeitet und vorgestellt. Das Interesse der Bevölkerung war eher schwach, aber jetzt kommt vielleicht Bewegung in die Diskussion.

Der Investor SIGNA, der u.a. Karstadt vor der Pleite gerettet hat und einer der größten Einzelhändler in Deutschland ist, hat sich die Vorschläge angeschaut und bewertet. Im Wesentlichen setzt SIGNA weiter darauf, dass der Einzelhandel auch im Viktoriakarree eine Chance bekommt. Neben den bereits bestehenden Geschäften in der Rathausgasse und Stockenstraße sollen zusätzliche Flächen erschlossen werden, um so das Einzelhandelsdreieck zwischen Bahnhof, Friedensplatz und Viktoriakarree zu komplementieren. Sonst, so Vertreter von SIGNA, verlagern sich die Besucherströme – womöglich sogar aus Bonn weg – und der Bereich um die Universität verliert weiter an Attraktivität. Untersuchungen zeigen, dass das vorhandene Potential für die Innenstadt z. Zt. nicht genutzt wird und der Standort Bonn an Zugkraft verliert.

Attraktiver Einzelhandel braucht Fläche

Wie sich zusätzliche Handelsflächen in das Gebiet einpassen, ist einer der Streitpunkte. Wer auf Attraktivität und Besucher setzt, muss heutzutage starke Argumente haben. Attraktive Anbieter mit einem breiten und hochwertigen Angebot sind nötig. Gleichzeitig muss es für die Besucher auch Angebote im Bereich des Food- und Restaurantbereich geben. Die Errichtung einer funktionierenden Markthalle wird kritisch gesehen. Die Marktgilde verteidigt den historischen Standort Markt und die bundesweiten Erfahrungen mit neu entstandenen Markthallen sind eher negativ.

Nachdem die Pläne der Universität im Viktoriakarree eine Bibliothek auf mehreren Etagen anzusiedeln – dies wäre im Bereich des früheren Eingangs zum Viktoriabad möglich gewesen – anscheinend nicht weiter verfolgt werden, wird viel über zusätzliche Angebote im Bereich studentisches Wohnen nachgedacht. Es gibt auch Vorschläge hier ein Veranstaltungs- und Begegnungshaus, ein sogenanntes „Mitmachhaus“, zu etablieren. SIGNA möchte hier gerne bis zu 100 Studentenappartements bauen.

Urbanes Leben stärken: studentische Leben und Arbeiten in der Innenstadt

Große Übereinstimmung gibt es bezüglich der Herstellung von Wegeführungen, die sich an historischen Vorbildern orientiert und so dem Viktoriakarree zu einem attraktiven Mix aus Urbanität, Einkaufen und Wohnen verhilft. Nach den Vorstellungen von SIGNA ist auch die Verkehrsberuhigung von Stockenstraße und Franziskanerstraße sinnvoll. Die Idee eines Brauhauses mit Außengastronomie ist eine von vielen Ideen, die Beteiligte ins Gespräch gebracht haben.

Bei den vielen Ideen, die teilweise sehr unterschiedlich sind und sich auch oft widersprechen, bleibt die Frage der Finanzierung bisher offen. Für SIGNA ist klar, dass es angesichts der städtischen Finanzlage keine hohen Investitionen für gemeinnützige Projekte geben wird. „Wir als Investor werden bei unserem Konzept Ideen aufnehmen. Dafür brauchen wir aber auch eine wirtschaftliche Grundlage.“ so ein Vertreter von SIGNA.

Der Rat entscheidet

Trotz eines großangelegten Beteiligungsprozess war das Interesse der Bevölkerung eher gering. Die aktivsten Protagonisten kamen aus Initiativen und Interessenverbänden. Jetzt werden die Ergebnisse beraten und dann entscheidet der Rat. Beobachter der Bonner Szene unken schon: “Es kommt wie immer. Groß gestartet und dann jahrzehntelanger Stillstand.“ Dies wäre das schlechteste aller Ergebnisse.

Verkaufsoffener Sonntag: Unverständnis für Verdi Klage

Immer wieder klagt die Gewerkschaft Verdi gegen die Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen. Jetzt hat sie in Bonn zugeschlagen. Beim Verwaltungsgericht Köln beantragt die Gewerkschafteine eine Prüfung, ob die Geschäfte sonntags beim Bonn-Fest nicht geöffnet haben dürfen.

Beim Bonner Einzelhandel kommt dieser Schritt nicht gut an. Der Sonntag sei völlig zu Recht ein hoch geschützter Tag. Und trotzdem, verkaufsoffene Sonntage seien wichtig für die Attraktivität einer lebendigen Innenstadt, gerade in Zeiten der stark zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel. Karina Kröber vom Verein City-Marketing fühlt sich durch die Klage vor den Kopf gestoßen. „Wir können die Klage nicht nachvollziehen. Wir haben uns in unserer Antragstellung an alle Auflagen gehalten“, sagt sie. Dabei sei alles gut mit der Verwaltung der Stadt abgestimmt gewesen.

Sie sehe auch ein, dass Sonntage geschützte Tage sind. Die derzeitige Regelung für Bonn sieht im Jahr drei verkaufsfreie Sonntage im Jahr für die City vor. „Das ist gut so. Es sind nicht zu viele und nicht zu wenige“, so Kröber. Damit bleibe man unter den gesetzlichen Möglichkeiten.

Ähnlich sieht das Monsignore Wilfried Schumacher, Stadtdechant in Bonn: „In Bonn haben wir in einer gemeinsamen Vereinbarung die Zahl der bisher gesetzlich möglichen Sonntagen mit Ladenöffnung unterschritten. Dazu stehen wir, denn wir sind verlässliche Vertragspartner. Wenn die Vereinbarung abläuft werden wir unter Berücksichtigung auch der höchstrichterlichen Entscheidungen gemeinsam sehen, ob es zu einer neuen Vereinbarung kommen wird.“

Auch die Stadtverwaltung Bonn sieht hier alles im grünen Bereich. Gegenüber Bonndirekt teilte sie mit, dass „die Verwaltung verkaufsoffene Sonntage grundsätzlich ermöglichen möchte“. Dabei orientiere sich sich an der landesgesetzlichen Regelung. „Dazu haben wir eine Konsensvereinbarung getroffen mit den Stadtmarketing-Vereinen, den Gewerbegemeinschaften, den Kirchen, den Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern“, erklärt Stefanie Zießnitz, Mitarbeiter des Presseamtes der Stadt.

Aber nicht jeder scheint mit dieser Regelung zufrieden. Wie zum Beispiel Dr. Michael Faber Vorsitzender der Linksfraktion im Rat der Bundesstadt Bonn. „Der Sonntag sollte für Familie und Erholung vorbehalten und soweit wie möglich von Kommerz und Arbeit frei sein. Abgesehen von Einrichtungen, bei denen Sonntagsarbeit unumgänglich ist, wie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, befürworte ich verkaufsoffene Sonntage daher nicht“, sagt Faber.

Hochwertiger Fachhandel statt Billigläden

Studie: Kunden wünschen ein besonderes Einkaufserlebnis

Es werden immer mehr. Wie Pilze schießen Billigläden wie Tedi, Action, Mäc Geiz oder Rusta in deutschen Innenstädten aus dem Boden. Auch in Bonn. Die Geschäfte sind schlicht und einfach eingerichtet. Und die Ware ist für den Kunden unübersichtlich sortiert. Sucht dieser einen bestimmten Artikel, findet er ihn meistens nicht. Dafür locken Mäc Geiz und Co mit regelmäßigen Sonderangeboten.

Dennoch scheint das Konzept derzeit bei den Kunden anzukommen. Denn die Branche boomt. Und die Billiganbieter geben sich selbstbewusst. Und zielbewusst suchen sie nach Räumlichkeiten in belebten Einkaufsstraßen. So erklärt zum Beispiel Mäc Geiz auf seiner Internetseite punktgenau, wo das Unternehmen Läden eröffnen will. Und zwar nur in Innenstädten und dort nur in „A- und guten B-Lage mit hoher Kundenfrequenz“. Voraussetzung ist außerdem, dass die Stadt mindestens 15 000 Einwohner hat.

Juweliere, Optiker oder Modeboutiquen wird die Aussicht nicht erfreuen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft Billigläden mit Wühltischen und Kitsch-Ständern einzieht. Trotz des Booms dieser Billigläden scheinen das die meisten Menschen in Deutschland auch so zu sehen. Das ergab eine Studie des globalen Performance Management Unternehmen Nielsen Holdings. Die Nielsen Global Survey wurde im Zeitraum vom 31. Oktober bis zum 18. November 2016 durchgeführt.

Demnach wollen die Verbraucher hochwertige Fachhändler in ihren Innenstädten sehen. Deutsche Verbraucher schätzen ein besonderes Einkaufserlebnis, so die Studie. 46 Prozent nehmen dafür den Gang in verschiedene Geschäfte in Kauf. Und genau das würde Innenstädte belebter und damit noch attraktiver machen. Exzellenter Kundenservice, ein besonderes Einkaufserlebnis und bestmögliche Qualität würden demnach zu den allgemeinen Erwartungen gehören, die Konsumenten an einen Fachhändler haben.

„Das oftmals ansprechendere Design sowie das Wohlfühlambiente beim Fachhändler wird von Verbrauchern generell als positiv empfunden”, so Fred Hogen, Director Retailer Services bei Nielsen in Deutschland. „Anziehungspunkt von Facheinzelhändlern ist häufig auch ihr spezialisiertes Produktangebot sowie ein besserer Kundenservice”, fasst Fred Hogen zusammen.

Fast jeder zweite sucht aufgrund eines nur dort zu erwerbenden Produkts einen Fachhändler auf. In Europa sind es sogar 52 Prozent. Hierzu gehören auch Produktneueinführungen die ebenfalls nur in spezialisierten Geschäften erhältlich sind. Der Kundenservice wird von Verbrauchern generell positiv wahrgenommen. Fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass Fachgeschäfte einen besseren Kundenservice bieten, europaweit sind es sogar 52 Prozent. Das lässt daran zweifeln, dass der Boom der Billigläden lange anhält. Denn das können Billigläden nicht bieten.

Erneute Hausbesetzung im Viktoriakarree in Bonn

Am Freitagabend sind zum wiederholten Mal Räumlichkeiten im Viktoriakarree in Bonn widerrechtlich besetzt und von der Polizei geräumt worden. Die beiden Hausbesetzer waren wieder vom sogenannten „Libertäres Zentrum in Bonn“ (LIZ).

Unter Libertarianismus wird eine politische Philosophie verstanden, die vom Prinzip des Selbsteigentums ausgeht und die für eine teilweise bis vollständige Abschaffung des Staates eintreten. Die Räumung, bei der Polizei in voller Schutzmontur in die Rathausgasse 6 eindrangen, fand unter Anwesenheit viele Sympathisanten statt, die sich als Flashmob vor dem Gebäude versammelt hatten und die Polizei bei Ihrer Arbeit behinderten. Unbeteiligte Passanten fühlten sich an Bilder aus Hamburg erinnert, wo Aktivisten beim G20 Gipfel randalierten.

Nach Feststellung der Personalien und Erstattung einer Strafanzeige wurden die Aktivisten wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Haus war von der LIZ bereits im Zeitraum Mai 2016 bis Januar 2017 besetzt worden. Ein Sprecher der Initiative „Viva Viktoria“ zeigte auf Facebook Verständnis für die Aktion der Hausbesetzer. Viele Bonner Bürger haben dagegen überhaupt kein Verständnis mehr für die blinde Zerstörungswut, die von Initiativen wie der LIZ Art ausgehen. Die Aktionen seien sinnlos und dienten ausschließlich der Provokation, so die einhellige Meinung.

Unkontrollierbare Verhältnisse wie sie in Hamburg im Schanzenviertel herrschen möchte man in Bonn nicht haben. So mehren sich auch die Forderungen an die Stadt, Politik und Polizei den Schutz des Eigentums sicherzustellen, der von destruktiven militanten Gruppen, wie der LIZ. Mit „bunt“ hat das auch nichts mehr zu tun.

Studie der IHK: Bonner Unternehmen unzufrieden mit der Stadtverwaltung und Politik

Eine hohe Unzufriedenheit herrscht unter Bonner Unternehmen über die Leistungen der Stadtverwaltung und den Politikern im Stadtrat. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die die IHK Bonn unter 1.000 Unternehmen in Bonn durchgeführt hat. Kritisiert wird vor allem die fehlende Zuverlässigkeit bei Entscheidungen. Als negatives Beispiel wird das Viktoriakarree genannt. Trotz eines Investors und eines Ratsbeschlusses wurde das Projekt gekippt.

Auch die Wirtschaftsförderung kommt in der Studie schlecht weg. So fehlt es den Unternehmen an einer strategisch ausgerichteten Planung. Und auch für Unternehmensgründer werde zu wenig getan. Die langen Bearbeitungszeiten für die Ausweisung von Gewerbeflächen oder Baugenehmigungen sind aus Sicht vieler Unternehmen nicht nachvollziehbar. Zu hoch im Vergleich zu anderen Städten sind auch die Belastungen bei Abgaben, wie die Grundsteuersätze oder die Gebühren für Abwasser. Besondere Kritik erhielt der mangelnde Ausbau von schnellen Internetverbindung bei den abgefragten Standortfaktoren. Dies sei für viele Unternehmen mit Onlinegeschäftsmodellen ein deutlicher Wettbewerbsnachteil. Die kompletten Studien sind unter www.ihk-bonn.de einsehbar.

Viktoriakarree BonnBild: Viktoriakarree Bonn